Seit meiner Jugend hatte ich die Zeit um mein vierzigstes Lebensjahr als Schlusspunkt für meine Bemühungen
festgelegt, erfolgreich zu sein und mich auf welchem Gebiet auch immer hervorzutun. Ich war fest entschlossen, sobald ich
dieses Alter erreicht haben und in welcher Lage ich mich befinden würde, keine Anstrengungen mehr auf mich zu nehmen,
um noch etwas zu erreichen, sondern den Rest meines Lebens in den Tag hinein zu leben und mich nicht mehr um die Zukunft zu
kümmern. Als der Moment gekommen war, führte ich dieses Vorhaben mühelos aus, und obwohl mein Schicksal eine
günstige Wendung zu nehmen schien, verzichtete ich darauf nicht nur ohne Bedauern, sondern mit echtem Vergnügen.
Indem ich mich all dieser Belastungen und der vergeblichen Hoffnungen entledigte, überliess ich mich völlig der
Sorglosigkeit und der geisti- gen Entspannung, die schon immer ganz nach meinem Geschmack und meine dauerhafteste Neigung
war. Ich verabschiedete mich aus der Welt mit ihrem Pomp, ich verzichtete auf jeglichen Schmuck, kein Degen mehr, keine Uhr,
keine weissen Kniestrümpfe, keine goldenen Verzierungen, stattdessen eine ganz einfache Frisur und Perücke, ein
Gewand aus Tuch, und was über all das noch hinausging, ich riss all die Gelüste und Begierden aus meinem Herzen,
die all dem, was ich aufgab, einen Wert geben. Ich verzichtete auf die Stellung, die ich einnahm und für die ich nicht
im geringsten geeignet war, und begann Seite für Seite Musik zu kopieren, eine Beschäftigung, die schon immer
besonders nach meinem Geschmack war.
Ich beschränkte meine Reform nicht auf äussere Dinge. Ich spürte, dass diese eine weitgehendere,
zweifellos mühevollere, jedoch notwendige erforderte, eine, die die Ansichten betraf, und da ich entschlossen war,
das Vorhaben nicht zweimal durchzuführen, ging ich daran, mein Inneres einer strengen Prüfung zu unterziehen,
mit der ich für den Rest meines Lebens regeln wollte, wie ich es bei meinem Tod vorfinden wollte..
Eine grosse Umwälzung, die sich in mir vollzog, eine andere Moral, die sich meinem Blick enthüllte, die
unsinnigen Urteile der Menschen, deren Absurdität ich zu begreifen begann, noch nichtsahnend, wie sehr ich einmal ihr
Opfer werden würde, mein stetig wachsender Wunsch nach einem anderen Gut als dem literarischen Ruhm, der mich schon
anödete, noch bevor sein Hauch mich erreichte, schliesslich das Verlangen, für den Rest meiner Laufbahn einen
weniger unsicheren Weg einzuschlagen als den, auf dem ich die schönste Hälfte verbracht habe, all das zwang mich
zu dieser grossen Rückschau, nach der ich schon seit langem ein Bedürfnis verspürte. Nun unternahm ich sie
und liess nichts aus, sofern es von mir abhing, um dieses Unternehmen ordentlich durchzuführen.
Es ist diese Epoche, auf die ich meinen völligen Verzicht auf die Welt und mein lebhaftes Verlangen nach
Einsamkeit datieren kann, das mich seitdem nicht mehr verlassen hat. Das Werk, das ich unternahm [La
Profession du Vicaire savoyard], konnte nur in völliger Zurückgezogenheit vollbracht werden; es erforderte
langes und eingehendes Nachdenken, das kein gesellschaftliches Drumherum erträgt.