Ich verweigere mich damit jeglichen neuen Ideen und heillosen Irrtümern, die nur einen falschen Anschein
erwecken und zu nicht anderem gut sind, als meine Ruhe zu stören.
Da ich auf diese Weise auf den engen Raum meiner früheren Erkenntnisse beschränkt bin, habe ich nicht
wie Solon das Glück, im Alter jeden Tag hinzu- zulernen, und ich muss mich sogar vor dem gefährlichen Stolz
hüten, mir etwas aneignen zu wollen, das zu begreifen ich früher nicht in der Lage war. Doch wenn mir auch, was
nützliche Erkenntnisse betrifft, an Erwerbungen wenig zu erhoffen bleibt, so bleiben mir doch noch sehr bedeutsame
zu machen, was die für meine Lage notwendigen Eigenschaften [vertus] betrifft. Dann wäre es Zeit, meine Seele
mit einer Erwerbung zu bereichern und zu schmücken, die sie mit sich forttragen könnte, wenn sie, befreit von
dem Körper, der sie verdunkelt und blind macht, die unverhüllte Wahrheit sieht und das Elend all des Wissens
erkennt, das unsere falschen Gelehrten so eitel verkünden. Sie wird sich seufzend an die verlorene Zeit in diesem
Leben erinnern, als sie es sich aneignen wollte. Doch Geduld, Milde, Resignation, Integrität, Gerechtigkeit und
Unparteilichkeit sind Güter, die man sich aneignen und mit denen man sich unablässig bereichern kann, ohne
fürchten zu müssen, dass der Tod selbst uns ihren Gewinn nimmt. Diesem einzigartigen und nützlichen Studium
widme ich den Rest meines Alters. Ich werde glücklich sein, wenn ich durch die Fortschritte, die ich an mir selbst
mache, es lerne, aus dem Leben zu gehen, zwar nicht besser, denn das ist unmöglich, doch rechtschaffener [vertueux],
als ich in es eingetreten bin.