Jean-Jacques Rousseau:  Les Rêveries du Promeneur Solitaire


    Ein einziger Mensch, der sich geweigert hätte mitzumachen, ein einziges Ereignis, das dem widersprochen hätte, ein einziger unvorhergesehener Um- stand, der sich in den Weg gestellt hätte, hätte ausgereicht, um es scheitern zu lassen. Doch alle Willen, alle Heimsuchungen, das Geschick und alle Wechsel- fälle haben das Werk der Menschen noch verstärkt, und ein derart unglaubliches Zusammenspiel, das einer Vorherbestimmung nahekommt, lässt mir keinen Zweifel, dass sein voller Erfolg in den Anweisungen des Himmels niedergelegt ist. Eine Vielzahl von Einzelbeobachtungen, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, bestärken mich so sehr in dieser Meinung, dass ich nicht umhin kann, das Werk, das ich bis jetzt als eine Ausgeburt der Boshaftigkeit der Menschen angesehen habe, von nun an als eines der Geheimnisse des für die menschliche Vernunft undurchdringlichen Himmels zu betrachten.
    Weit davon entfernt, mir als grausam und niederschmetternd zu erscheinen, tröstet und beruhigt mich dieser Gedanke und hilft mir zu resignieren. Ich gehe nicht so weit wie der heilige Augustin, der es auf sich genommen hätte, verdammt zu sein, wenn es mit Sicherheit der Wille Gottes gewesen wäre. Die Quelle meiner Resignation ist weniger selbstverleugnend, das ist wahr, doch sie ist nicht weniger rein und würdig gemäss meiner Auffassung von dem vollkom- menen Höchsten Wesen, das ich anbete. Gott ist gerecht; er will, dass ich leide, und er weiss, dass ich unschuldig bin. Hierin liegt das Motiv für mein Vertrauen, mein Herz ebenso wie mein Verstand ruft mir zu, dass ich nicht getäuscht werde. Sollen doch die Menschen und das Schicksal machen; lerne ich, zu leiden ohne zu klagen; alles wird am Ende in seine Ordnung zurückkehren, und früher oder später wird die Reihe an mir sein.