All ihre Mühen, all ihre Güter, all die Früchte ihrer mit Arbeit verbrachten Nächte, all
das lassen sie hinter sich, wenn sie gehen. Sie haben in ihrem Leben nicht daran gedacht, etwas zu erwerben, das sie
bei ihrem Tod mit sich nehmen könnten.
Ich habe mir all das gesagt, als es noch Zeit dazu war, und wenn ich keinen grösseren Nutzen aus meinen
Überlegungen ziehen konnte, dann lag der Fehler nicht darin, sie nicht zur rechten Zeit angestellt und verarbeitet
zu haben. Nach- dem ich seit meiner Kindheit den Turbulenzen der Welt ausgesetzt war, lernte ich sehr früh durch
Erfahrung, dass ich nicht dazu gemacht war, in ihr zu leben, und nie den Zustand erreichen würde, der dem
Bedürfnis meines Herzens entsprach. Nachdem ich also aufgehört hatte, das Glück bei den Menschen zu
suchen, da mein Gespür mir sagte, dass ich es dort nicht finden würde, schwang sich meine entflammte
Phantasie über die Weite meines kaum begonnenen Lebens hinweg wie über ein mir fremdes Land, um sich an
einem stillen Platz niederzulassen, wo ich zu mir kommen konnte.
Dieses Gefühl, das seit meiner Kindheit durch die Erziehung in mir genährt und mein Leben lang durch
diese lange Kette von Missgeschicken und Bedräng- nissen, von denen es erfüllt war, verstärkt wurde, liess
mich zu jeder Zeit danach trachten, die Natur und die Bestimmung meines Seins mit einem grösseren Inter- esse und
einer grösseren Hingabe zu erforschen, als ich sie je bei irgendeinem anderen Menschen gefunden habe. Ich habe viele
von ihnen gesehen, die sehr viel gelehrter philosophierten als ich, aber ihre Philosophie blieb ihnen in gewisser Weise
fremd. Sie wollten gelehrter sein als andere, erforschten das Universum, um zu verstehen, wie es aufgebaut ist, als ob
sie eine Maschine, die sie entdeckt haben, aus reiner Neugier studieren würden. Sie studierten die menschliche
Natur, um gelehrt über sie sprechen zu können, nicht aber um sich zu verstehen; sie arbeiteten, um andere zu
unterweisen, nicht aber, um sich innerlich klarer zu werden. Einige von ihnen wollten einfach nur ein Buch schreiben,
egal, was für eines, vorausgesetzt, es würde angenommen werden. Wenn es abgeschlossen und publiziert war,
interessierte sie der Inhalt überhaupt nur noch insofern, ob er von anderen gut aufgenommen wurde, oder ob sie
ihn gegen Angriffe verteidigen mussten, im übrigen aber kaum noch und ohne irgendetwas für ihren eigenen
Gebrauch daraus zu ziehen, ja ohne sich darum zu sorgen, ob dieser Inhalt falsch oder zutreffend war, wenn er nur nicht
zurück- gewiesen wurde. Was mich betrifft, so ging es mir, wenn ich ein Verlangen hatte zu lernen darum, etwas
über mich selbst zu erfahren und nicht darum, zu unter- richten; ich war immer der Meinung, dass man zunächst
genug über sich selbst erfahren müsse, bevor man andere belehrt, und von allen Studien, die ich in meinem
Leben unter Menschen gemacht habe, gab es kaum eine, die ich nicht ebenso allein auf einer verlassenen Insel gemacht
hätte, auf der ich den Rest meiner Tage verbringen würde.